Das Schloss von Otranto Horace Walpole · Der erste Gothic-Roman, 1764 - neu übersetzt aus dem englischen Original - Paulini Publishing, Bibliotheca Gothica Am Hochzeitsmorgen seines kränklichen Sohnes Conrad zerschmettert im Burghof von Otranto ein monströser Helm den Bräutigam - ohne erkennbare Herkunft, ohne Erklärung. Statt zu trauern, verstößt Fürst Manfred noch am selben Abend seine treue Gattin Hippolita und verfolgt die für Conrad bestimmte Braut Isabella, die durch die unterirdischen Gewölbe der Burg flieht. Ein rätselhafter junger Bauer hilft ihr - und wird dafür als Zauberer verurteilt. Während Manfreds Tyrannei sich in wachsender Verzweiflung steigert, künden immer neue Wunderzeichen - ein seufzendes Ahnenbild, ein Riesenschwert, eine blutende Statue - von einer alten Weissagung, die Haus und Herrschaft Otranto bedroht. Diese Ausgabe ist eine vollständige Neuübersetzung aus dem englischen Original - ungekürzt, mit beiden historischen Vorreden: der fingierten des angeblichen Übersetzers und der bekennenden des Autors, deren Doppelspiel von Maske und Enthüllung zum Werk gehört. Walpoles rasches, fast traumhaft überstürztes Erzähltempo bleibt erhalten, ebenso der von ihm selbst programmatisch verteidigte Kontrast zwischen dem erhabenen Ton der Fürsten und der geschwätzigen Naivität der Dienerschaft. Nur der Zugang zu alldem wird leichter. Walpole veröffentlichte den schmalen Roman 1764 zunächst anonym, als angebliche Übersetzung eines 1529 in Neapel gedruckten mittelalterlichen Manuskripts - ein literarischer Hoax, mit dem die Gothic Novel als Gattung beginnt. Ann Radcliffes Schauerromane, Matthew Lewis' "The Monk", Mary Shelleys "Frankenstein", Stokers "Dracula": Die Ahnenreihe der literarischen Angst nimmt hier ihren Ausgang.