Ein halbes Leben hat er geschwiegen, hat er sich geduckt, der Bauer, der als Knecht und dann als Ehemann zu einer Witwe und ihren Töchtern kam. Während sie sich auf die Hu?hnerzucht kaprizierte, machte er aus dem Hof mit neuen Methoden eine Goldgrube und reagierte den Frust, trotz allem nur ein Eingeheirateter, ein Fremder zu sein, mit Marschieren ab - und mit einem kleinen Waldstu?ck, das ihm als Zuflucht diente. Bis die Dorfgewaltigen die Autobahn bewilligten, die seinen Wald ruinierte, während die Hu?hnerzucht der Angetrauten weiter funktionierte. Und nun, da die Frau tot vor ihm liegt, bricht all das Unterdru?ckte wie ein Sturzbach aus ihm heraus, chaotisch und ungeordnet, ist ihm die lange gelähmte Stimme zuru?ckgegeben, um die Welt und das Schicksal fu?r sein verpatztes Leben anzuklagen, es aus der Erinnerung hervorzugraben und mit der Toten, die er ebenso geliebt wie gehasst hat und die nun endlich schweigt, einen ersten und letzten Dialog zu fu?hren.
In Aufsehen erregenden Theaterstu?cken hat Heinz Stalder diesen ganz in indirekter Rede gehaltenen Text auf Hochdeutsch und im Dialekt vorbereitet und entwickelt, bis es ihm 1984 möglich war, ihn so niederzuschreiben, dass er auch 40 Jahre später noch irritiert und erschreckt und als eines von ganz wenigen Prosawerken den Vergleich mit den hochgelobten
Holländerinnen
von Dorothee Elmiger aushält.