15. Februar 1933. Hitler ist seit zwei Wochen Reichskanzler. In Stuttgart will er seinen Wahlkampfauftakt für Neuwahlen für den Reichstag abhalten, die Rede in der Stadthalle wird live im Radio übertragen. Um 21.17 Uhr verstummt er - zumindest für die Zuhörer, die sich auf dem Marktplatz und vor vielen Radiogeräten versammelt haben. Vier junge Kommunisten haben ein Übertragungskabel des Süddeutschen Rundfunks mit einem Beilhieb durchtrennt.
Das Stuttgarter Kabelattentat vom 15. Februar 1933: Hitler ist seit zwei Wochen Reichskanzler, noch hält er sich formal an die Regeln des Staatswesens. Zwei Tage nach seiner Ernennung hat er die Auflösung des Reichstags durchgesetzt Neuwahlen sollen klare Verhältnisse schaffen. Als Wahltermin wird der 5. März festgesetzt und der neue Reichskanzler hat sich sorgsam überlegt, wo er seinen vielbeachteten Wahlkampfauftakt inszeniert: Im eher zurückhaltenden Stuttgart. Und ausgerechnet dort diese Blamage: Vier clevere junge Kommunisten schaffen es, mit nur einem Beil bewaffnet, den gewalttätigen Machtapparat der Nazis zu übertölpeln. Die Nachricht von dem gelungenen Streich verbreitet sich blitzschnell im gesamten Reichsgebiet und sorgt für Hohn und Spott. Parallel zur Geschichte des Attentats entfaltet sich im Hintergrund eine menschliche Tragödie aus Verrat, Einsamkeit, Leid und menschlicher Größe. Sie wird dem Ideengeber des Kabelattentats, Theodor Decker, ein grausames Schicksal bescheren: Alles beginnt mit einer hinterhältigen Denunziation.
Die Vorgänge lesen sich spannend wie ein Krimi, sagt der gebürtige Stuttgarter Rolf Schlenker. der mit den Erzählungen über das Kabelattentat im Familienkreis bereits als Kind aufgewachsen ist.